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Interkulturelle Mahlzeiten - Repräsentation und Inkorporierung

Leitung

Dr. Claudia Lillge
Jun. Prof. Dr. Anne-Rose Meyer

Universität Paderborn

MitarbeiterIn(nen)

Kurzbeschreibung

Im Kontext interkultureller Verständigung kommt Essen und Kochen eine zentrale Bedeutung zu: Essen, wie man es von zu Hause aus kennt, bedeutet meist Geborgenheit, Zugehörigkeit, Verbundensein mit heimatlichen Regionen. Essen mit der Familie und mit Gästen kann ein gemeinschaftstiftendes Erlebnis sein. Umgekehrt ist der Blick in fremde Töpfe eine Möglichkeit, sich Grundlagen einer anderen Kultur zu erschließen, verdeutlichen doch unterschiedliche kulinarische Vorlieben oft kulturelle Differenzen, die nicht selten zum Anlass nationaler Stereotypisierungen werden („German krauts“). Zudem markiert das, was der Einzelne als genießbar bzw. ungenießbar einstuft, meist die Zugehörigkeit bzw. Nichtzugehörigkeit zu einer Gruppe. Gemeinsames Essen und Trinken wird häufig zum Testfall für eine gelingende oder misslingende interkulturelle Kommunikation. Im Zuge von Globalisierung, stärkerer Mobilität und wachsendem Tourismus avancieren interkulturelle Kompetenzen im Bereich des Essens zu einer kosmopolitischen Basisqualifikation. In den Literatur- und Kulturwissenschaften konturieren Aspekte wie diese ein mittlerweile umfangreiches Forschungsfeld, sind Mahlzeiten vor allem in den vergangenen zwanzig Jahren als bedeutungsvolle Untersuchungsgegenstände erkannt worden. Dabei stehen vielfach historische Aspekte im Fokus, die Entwicklung des Mahlzeiten-Motivs sowie Wechselwirkungen zwischen literarisch beschriebenen Speisen und Gesellschaft. Das Forschungsprojekt legt den Fokus speziell auf zwei thematische Akzente, die bislang von der interkulturellen Forschung vergleichsweise marginalisiert worden sind: Repräsentation und Inkorporierung. Der Begriff Repräsentation zielt auf die ästhetische Performativität von Essen und Trinken, verstanden als a) narrative Strategien/sprachlich-bildhafte Symbolisierungen von kulinarischen Fremd-eigen-Differenzen und Gruppenzugehörigkeit sowie b) die sprachliche Gestaltung von Speisearrangements im Zusammenhang mit kulturspezifischen Riten, sozial distinktiven kulturellen Regulierungen von Tischsitten, ‚gutem Geschmack’ und ‚guter Erziehung’. Die wissenschaftliche Grundlagen für diesen Aspekt von Repräsentation bilden Elias’ Zivilisationstheorie und Pierre Bourdieus Analysen des ästhetisch-affektiven Codes goût vs. dégoût. Der Begriff Inkorporierung zielt auf den Zusammenhang von Essen, Trinken, Körperauffassung und Kultur.

Kategorie(n):
Kultur/Philosophie/Theologie

Laufzeit:
01.01.2006 - 01.01.2007