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Stimme und Geschlechteridentität(en), Symposion A05 auf dem Kongress

Leitung

Priv.-Doz. Dr. phil. habil. Corinna Herr , Prof. Dr. Rebecca Grotjahn

Assoziierte Professur
Historische Musikwissenschaft/Gender Studies


MitarbeiterIn(nen)

Kurzbeschreibung

Stimmlage und Stimmklang gelten als Merkmale zur auditiven und visuellen Definition von ‚Geschlecht‘: Hohe Stimmen stehen für Weiblichkeit, tiefe für Männlichkeit. Diese Identifikation von Stimme und Geschlecht findet nicht nur im Alltag statt, sondern ist auch ein musikgeschichtliches Phänomen; sie prägt die kompositorische Gestaltung von Vokalmusik ebenso wie Besetzungspraktiken in der Oper. Abweichende Umgangsweisen mit der Singstimme – etwa in früheren Epochen, in außereuropäischen Kulturen oder in der Popkultur – lassen jedoch den Rückschluss zu, dass es sich bei der vermeintlichen „Natur“ der Stimme um ein kulturell bedingtes Konstrukt handelt. Das Problem einer ‚voice of Gender‘, einer ‚Geschlechtsstimme‘, ist in der musikwissenschaftlichen Forschung bis heute kaum thematisiert worden. Ausgehend von der Sicht der Stimme als Medium einer kulturell geformten Geschlechteridentität will das geplante Symposion dazu anregen, die Konstruktion einer Geschlechtsstimme als historischen Vorgang zu rekonstruieren. Weiterhin soll die Aufmerksamkeit auf die Reproduktion des Stimmgeschlechts im einzelnen Individuum im Sinne des „doing gender“ gerichtet werden, die zu den Kernpunkten des musikalischen Sozialisationsprozesses und insbesondere der Gesangsausbildung zählt. Zu thematisieren ist schließlich die Tendenz zur Auflösung der Bindung von Stimme und Geschlecht, wie sie seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert insbesondere im Bereich der neuen Medien erprobt wird, wo wechselnde Präsentationen von Körpern, Stimmen und Geschlecht zur Aufdeckung der Zeichenhaftigkeit von Geschlechterkonstruktionen oder aber – per negationem – zu deren erneuter Festigung eingesetzt werden.

Kategorie(n):
Kultur/Philosophie/Theologie

Laufzeit:
16.09.2004 - 01.01.2005