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Mobiltelefone in China und Japan

Ein kultureller Vergleich

Leitung

Prof. Dr. (i. R.) Uta Brandes

Netzwerkprofessur
Geschlechterverhältnisse im Design und qualitative Designforschung

Technische Hochschule Köln
Fakultät für Kulturwissenschaften

MitarbeiterIn(nen)

Dipl. Des. Sonja Stich Eva-Lotta Lamm

Kurzbeschreibung

Bei der Beschäftigung sowohl mit den beiden - sehr differenten - asiatischen Ökonomien und Kulturen als auch in der Durchdringung der technischen, ästhetischen und sozialen Implikationen der Mobiltelefone stellte sich heraus, dass Kultur- und Genderkonstruktionen anderen Logiken folgen als die deutschen/europäischen. In der Volksrepublik China dient das Mobiltelefon gegenwärtig noch demonstrativ der Beeindruckung und der sozialen Differenzierung. Geschlecht wird expressiv inszeniert: Frauen tragen das Handy gern als Schmuck oder als Accessoire, das täglich - wie Kleidung - gewechselt wird. Männer tragen ihr bewegliches Telefon wie einen Revolver am Gürtel oder an einem Band in der Hosentasche. In dem bedeutenden und bedeuteten Verweis auf Produkte aus anderen Bereichen fanden wir den Schlüssel zur Dechiffrierung der chinesischen Status-/Gendermodelle. Die bewusst geschlechterkonstruierten Differenzierungen entdeckten wir - kurz gefasst - in den Analogien zu Kosmetik und Schmuck bzw. auf Autoteile und -zubehör Nachdem wir diese Geschlechtercodes aufgedeckt hatten, stellte sich die Analogienkette geradezu aufdringlich her. Um diese Erkenntnisse für das Design und das Verständnis nutzbar zu machen, wählten wir als Ergänzung zum Text visuelle Darstellungen zur Verdeutlichung und Verschmelzung dieser Bezüge. Japan ist ein bis zwei Technikgenerationen avancierter als alle anderen Länder. Internet (i-Mode)-Zugang und große Displays künden davon, dass die Funktion des Telefonierens längst zugunsten der Verschickung von Nachrichten und Bildern zurückgedrängt wurde. Die Geschlechterszenarien folgen vollkommen anderen Projektionen als in den beiden anderen untersuchten Ländern. Hier überwiegen die Assoziationen Spiel, Manga und der japanspezifische Cutie Style als Ausdruck einer die Geschlechtlichkeit verwischenden Gestaltung. Was wir in Japan an den Mobiltelefonen verkörpert sehen, ist die reale Transformation menschlicher Körperlichkeit in Comicwesen und deren harmlosen Illusionskörper. Im deutlichen Kontrast zu den beiden asiatischen Ländern sind die deutschen "Körper" der Mobiltelefone sozusagen eindeutig männlich, weiblich oder kindlich. Der Objektkörper des Mobiltelefons wird in allen drei unterschiedlichen Gesellschaften auch zu einem mit Geschlechtlichkeit unbewusst oder bewusst spielenden (in Japan auch verwerfenden) Körperobjekt. Obwohl auf den ersten Blick so nah beieinander, repräsentieren die Produkte bei genauer Analyse drei differente Konzepte von Geschlecht und Körper.

Kategorie(n):
Kultur/Philosophie/Theologie

Laufzeit:
01.04.2002 - 28.02.2003

Finanzierung:
Ministerium für Wissenschaft und Forschung NRW